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Hansebubeforum » Krane und Schwerlast historisch » Spuraggregate (Schmitz, Tang, und andere) » Threadansicht

Autor Thread - Seiten: -1- [ 2 ] [ 3 ]
000 — Direktlink
14.10.2016, 22:03 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Das sogenannte Spuraggregat ist untrennbar mit dem Anhänger- und Aufliegerhersteller Schmitz (heute Schmitz-Cargobull) verbunden.

Es deutet einiges darauf hin, dass Schmitz bereits auf der IAA 1938 in Berlin sein 2-Achs-Spuraggregat vorgestellt hat. Fotobeweise wären ganz toll!! In den 50-er Jahren wurden die ersten 3-Achs-Anhänger von Schmitz mit diesem Spuraggregat produziert (weitere Fotos wären toll!!), aber das vorläufige 'Aus' kam Ende der 50-er Jahre, als Verkehrsminister Seebohm den 3-Achs-Anhänger quasi über Nacht verboten hatte. Anfang der 60-er Jahre wurden die Seebohm'schen Gesetze sowohl durch massivsten Druck der LKW- und Fahrerlobby als auch im Hinblick auf die bevorstehende EWG-Harmonisierung wieder gelockert, so dass der 3-Achser Anhänger wieder gebaut werden durfte. Ab da an begann ein steiler Aufstieg der Spuraggregate in Deutschland, sowohl bei Anhängern als auch bei Trailern, hier insbesondere auch als (neudeutsch) "widespread" 2-Achs-Aggregat mit einem Achsabstand von mind. 2,35 m. Dadurch waren 10-Tonnen Achsen am Trailer möglich, so dass sich mit einer 16-Tonnen 2-Achs Zugmaschine ein 4-achsiger 36-Tonnen Zug auf die Beine stellen liess.

Die 2-Achs-Spuraggregate sind technische Leckerbissen, denn da werden auf engstem Bauraum viele Gelenke zusammengestopft, und alles funktioniert trotzdem mit allergeringstem Wartungsaufwand. Kein Drehkranz, keine Achsschenkellenkung, Standard-Achsen. Die Achsen werden durch die Adhäsionskraft bei Kurvenfahrt mittels Dreieckslenkern um feste Drehpunkte unterschiedlich stark verschwenkt, und sind mit gummigelagerten, ebenfalls schwenkbaren Federschwingen (Waagebalken) beidseitig verbunden. Durch die unterschiedlich starke Verschwenkung der Achsen wird das Achsaggregat vollautomatisch nach jeder Kurvenfahrt sauber wieder eingespurt. Die Achsen tendieren immer dazu, den Trailer stets gerade zu ziehen. In den 50-Jahren wurde die erste Achse zumeist noch gezogen durch ein langes Achsdreieck, ab den 60-ern überwiegend nur noch geschoben. Die 2. Achse wurde immer gezogen, durch ein recht kurzes Dreieck. Man wollte den Bauraum unter dem Trailer besser nutzen, bzw. nicht verbauen, deswegen ging man von der gezogenen 1. Achse auf die geschobene 1. Achse über. Das baute kompakter.

Nachteil der Spuraggregate: Das Ganze funktioniert nur bei Vorwärtsfahrt. Bei Rückwärtsfahrt muss das ganze Aggregat komplett gesperrt werden, sonst fährt der Trailer sonstwo hin.
Dazu später mehr.

Hier nun ein paar Bilder. Diesen Containertrailer mit 2-Achs-Spuraggregat fand ich neulich:










Dieser Post wurde am 08.02.2017 um 22:14 Uhr von Hendrik editiert.
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001 — Direktlink
14.10.2016, 22:25 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Die Spuraggregate sind heute quasi aus dem Strassenverkehr verschwunden. Bei alten Schausteller-Anhängern oder -trailern wird man manchmal noch fündig, allerdings auch ganz selten mal im Schwertransportbereich (ausziehbare alte Trailer).

Hier ein Schausteller-Anhänger mit Spuraggregat, den ich 2007 fotografiert habe; leider habe ich ihn vergessen, ganz zu fotografieren. Die Technik-Freaks unter Euch können ja mal knobeln, welches die Fahrtrichtung "vorne" ist, und was die ganzen Bauteile für Funktionen haben:










Dieser Post wurde am 14.10.2016 um 22:32 Uhr von Hendrik editiert.
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002 — Direktlink
15.10.2016, 16:17 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Dieses hier ist der Klassiker. Solche Schmitz-Anhänger konnte man bis Anfang der 80-er Jahre auf deutschen Strassen antreffen; fast jede Spedition hatte mal so einen in ihrem Fuhrpark.




Die erste Achse des Doppelaggregats ist hier per langem Dreieckslenker gezogen (das war auch bei dem Ur-Schmitz von 1938 so), die zweite Achse - wie immer - ebenfalls gezogen, und zwar mittels kurzem Dreieckslenker. Die Länge der Lenker legt das Kurvenlaufverhalten fest.

Ist die erste Achse gezogen, schlägt sie gegensinnig zur zweiten Achse ein, und der Anhänger fährt einen kleineren Kreis (Das Doppelachsaggregat folgt nicht der ersten Anhängerachse unter dem Drehkranz). Ist die erste Achse allerdings geschoben (wie beim Containertrailer oben), schlägt sie gleichsinnig zur zweiten Achse ein, allerdings im unterschiedlichen Winkel. Somit folgt das Doppelaggregat des Containerchassis weitgehend der Spur der Zugmaschine, und der Trailer fährt einen größeren Bogen (Kreis).








Dieser Post wurde am 15.10.2016 um 17:17 Uhr von Hendrik editiert.
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003 — Direktlink
15.10.2016, 16:43 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Vor einiger Zeit waren mal im Internet die folgenden Bilder zu sehen; ich stelle sie hier einfach mal ein. Ich kenne die Quelle nicht mehr.

Ein kleinerer Tankwagen mit Spuraggregat hat seine letzte Achse verloren! Sie ist wahrscheinlich beim Bremsvorgang abgerissen. Deutlich sieht man den Dreieckslenker. Ob das jetzt ein Original-Schmitz ist, oder ein modernerer Nachbau, weiss ich nicht.




Dieser Post wurde am 06.01.2017 um 16:36 Uhr von Hendrik editiert.
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004 — Direktlink
15.10.2016, 17:13 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Leider gibt es nur wenige Fotos des eingeschlagenen Spuraggregats bei Kurvenfahrt. Das sah immer sehr spektakulär aus, besonders beim "widespread" Aggregat (gibt's dafür eigentlich ein brauchbares deutsches Wort?). Eine Achse verschwand unter dem Rahmen, die andere kam weit raus - 99% aller Beobachter (so es die überhaupt gegeben haben mag) dachten mit Sicherheit, die Achsen wären an einem Drehkranz befestigt. Nein - alles drehkranzlos!

Hier ein seltenes Bild von 1955 eines Schmitz-Spurläufers bei Kurvenfahrt:


Dieser Post wurde am 06.01.2017 um 16:37 Uhr von Hendrik editiert.
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005 — Direktlink
15.10.2016, 18:00 Uhr
Markus K

Avatar von Markus K

Hi Hendrik

Ich habs mal rüber kopiert .
Hab diesen Thread irgendwie übersehen .














Mfg Markus K
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006 — Direktlink
15.10.2016, 18:44 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Eine interessante Patentanmeldung aus dem Jahr 1961 ist diese:

https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?window=1&space=menu&content=treffer&action=pdf&docid=AT000000231823B&Cl=5&Bi=1&Ab=&De=1&Dr=6&Pts=&Pa=&We=&Sr=&Eam=&Cor=&Aa=&so=desc&sf=vn&firstdoc=5&NrFaxPages=9&pdfpage=1&xxxfull=1

Hierbei wird die erste Achse des Doppelachsaggregats nicht mehr an einem Dreieckslenker befestigt, sondern an zwei Spurstangen. Fig. 1 und Fig. 2 in der Patentschrift zeigen das Prinzip. Auch hierbei stellen sich unterschiedliche Einlenkwinkel beider Achsen bei Kurvenfahrt ein; zwingend für das Funktionieren des Spuraggregats.

Dieses Achsaggregat habe ich nicht in echt gesehen; mich würde interessieren, ob es jemals gebaut wurde. Die Spurstangen kamen erst beim 3-achs-Spuraggregat von Schmitz, dazu später mehr.

gruss hendrik
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007 — Direktlink
15.10.2016, 18:50 Uhr
Ch. Romann



Hallo Hendrik und Markus,

superinteressant! Vielen Dank schon mal bis hier, verfolge ich auch sehr gerne noch weiter.
--
Viele Grüße aus Südhessen
von Christoph

... fünf Leben langen nicht für dieses Hobby ...

Copyright der Bilder liegt, wenn nicht anders genannt, bei mir.

Dieser Post wurde am 15.10.2016 um 18:52 Uhr von Ch. Romann editiert.
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008 — Direktlink
15.10.2016, 19:08 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Eine weitere interessante Patentanmeldung von Schmitz aus dem Jahr 1961 ist diese:

https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?window=1&space=menu&content=treffer&action=pdf&docid=DE000001171277B&Cl=2&Bi=1&Ab=&De=1&Dr=3&Pts=&Pa=&We=&Sr=&Eam=&Cor=&Aa=&so=desc&sf=vn&firstdoc=4&NrFaxPages=4&pdfpage=1&xxxfull=1

Die Vorderachse ist wieder an Spurstangen befestigt, aber die Hinterachse ist nicht starr, sondern sie besteht aus zwei Halbachsen (Pendelachsen), die direkt an den Federenden befestigt sind. Die Tragfedern (Waagebalken) sind desweiteren nicht mittig zwischen den Achsen gelagert, sondern asymmetrisch aufgrund des Achsdruckverhältnisses von 6t/10t. Die erste Achse hat also zwei Reifen à 3 t, und die zweite Achse hat 4 Reifen à 2,5 t. Auch sind die Tragfederenden hinter weiter auseinander als vorne.

Auch dieses Achsaggregat habe nie in Natura gesehen. Die Frage ist, ob es wohl je gebaut wurde?

gruss hendrik
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009 — Direktlink
15.10.2016, 20:16 Uhr
Hebelzupfer




Zitat:
Hendrik postete
.... Die Technik-Freaks unter Euch können ja mal knobeln, welches die Fahrtrichtung "vorne" ist, und was die ganzen Bauteile für Funktionen haben:



Na - siehste wohl - geht doch !
Hendrik - ich danke dir für die Bilder - genau solch ein Aggregat meinte ich !
Den Kollegen von damals kann ich leider nicht mehr befragen denn der hat sich schon vor einiger Zeit in die ewigen Jagdgründe verabschiedet .... Möge er in Frieden ruhen!
Der Kollege konnte damals mit "seinem" Auflieger mit ungesperrten Achsen rückwärts um die Ecke rangieren !!! Ich hab das damals auch einige Male probiert, der Auflieger lenkte auch wunderbar um die Ecken - nur leider nicht dahin wo ich wollte !
Diese Aggregate waren wunderbar. Damals ( Mitte 1970´er Jahre ) waren die Straßen noch nicht so großzügig ausgebaut wie heute - es war alles noch ein wenig enger - und man konnte mit dem gesamten Zug z.B. in einer engen Rechtskurve mit der Zugmaschine direkt am Straßenrand langfahren und der Auflieger folgte genau der Spur der Zugmaschine ohne nach innen von der Straße zu laufen ! Das funktionierte zuverlässig und sauber - und das ohne Elektronik oder Hydraulik - heute für die meisten undenkbar !

Ach übrigens - ich weiß wo bei dem Auflieger auf dem Bild vorne ist ...
--
Gruß aus Bremen

Georg
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010 — Direktlink
16.10.2016, 08:00 Uhr
percheron

Avatar von percheron

Guten Morgen,

ein sehr interessantes Thema.
Schön, daß es hier dazu immer Bilder, Erklärungen und Erfahrungsberichte gibt.
Dies ist es, was ich an diesem Forum so schätze!

PS. Die Fahrtrichtung müßte nach links sein?
--
Gruß Achim

( Mitglied der Berliner Fraktion )
Immer auf der Suche nach allem von Breuer und Maximum.
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011 — Direktlink
17.10.2016, 21:34 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Ich habe mal einen Trailer mit Spuraggregat aus der DDR gefunden - von TAKRAF. Oder war nur der Seitenlader von Takraf, und der Trailer von einem anderen Kombinat? Vielleicht wissen unsere Ostexperten hier mehr?

Baujahr 1989:





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012 — Direktlink
17.10.2016, 22:22 Uhr
Hebelzupfer




Zitat:
Hendrik postete
.... Die Technik-Freaks unter Euch können ja mal knobeln, welches die Fahrtrichtung "vorne" ist, und was die ganzen Bauteile für Funktionen haben:



Moin,

Hendrik es ist unglaublich was sich in deinem Fundus so alles findet ! Danke für die Bilder.

Bei dem jetzt abgelichtetem Auflieger würde ich beim Achs-Aggregat ebenfalls auf "Schmitz" tippen - die seitlichen Verstärkungen der Federaufhängungen sehen doch sehr danach aus.

Warum hat außer Achim ( pecheron ) keiner einen Tipp abgegeben ?

Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte: in Fahrtrichtung vorne ist rechts !
Über den Federn der linken Achse kann man deutlich das lange Führungsdreieck der geschobenen rechten Achse ( der ersten Achse ) sehen. Unter der Querverstrebung der Federaufnahmen sieht man deutlich das kurze Führungsdreieck der linken Achse! = rechte Achse lang geschoben + linke Achse kurz gezogen = rechts ist vorne !

Bleibt nur noch eines zu bemerken: Auf Grund der Unterschiede in der Lenkgeometrie beschrieben die Aggregate mit gezogener erster Achse und mit geschobener erster Achse unterschiedliche Kurvenkreise: die Aggregate mit gezogener erster Achse beschrieben einen engeren Kurvenkreis als der Zugpunkt ( Drehkranz oder Sattelkupplung ) und die Aggregate mit geschobener erster Achse beschrieben einen weiteren Kreis.
Aus diesem Grunde fuhren sich die Aggregate mit geschobener erster Achse besonders angenehm - weil sie eben der Zugmaschine ziemlich Spurgenau folgten ohne die Kurve zu "schneiden"!
--
Gruß aus Bremen

Georg
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013 — Direktlink
17.10.2016, 22:46 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik


Zitat:
Hebelzupfer postete Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte: in Fahrtrichtung vorne ist rechts ! Über den Federn der linken Achse kann man deutlich das lange Führungsdreieck der geschobenen rechten Achse ( der ersten Achse ) sehen. Unter der Querverstrebung der Federaufnahmen sieht man deutlich das kurze Führungsdreieck der linken Achse! = rechte Achse lang geschoben + linke Achse kurz gezogen = rechts ist vorne !

Absolut richtig!

Als einzige Ergänzung ist nur noch zu erwähnen, dass oberhalb des kurzen Führungsdreiecks der linken Achse noch die - ebenfalls dreieckige - Rückfahrsperre angeordnet ist. Dieser zusätzliche Dreieckslenker wurde zumeist per Hand und Seilzug in eine Klinke der letzten Achse eingerastet, und somit wurde das ganze Aggregat blockiert (auf Markus' Bildern sehr gut zu sehen - das dreieckige Ding am Seil). Zu einem späteren Zeitpunkt gab es auch elektrisch/pneumatisch betätigte Rückfahrsperren vom Fahrerhaus aus, aber die ersten 20 Jahre lang ging das nur per Hand! Dazu musste der Zug erst einmal komplett gestreckt werden (gerade ziehen). Dann aussteigen, nach hinten laufen, Rückfahrsperre einlegen, zurück zum Fahrerhaus, und dann konnte man rückwärts rangieren. Als kleine Anmerkung, die Kräfte auf die dreieckige Rückfahrsperre gerade bei beladenem Zug und grossem Achsabstand waren enorm, und ich habe in den 80ern auf so manchen LKW-Friedhöfen solche Trailer mit gebrochener Rückfahrsperre gesehen. Leider nie fotografiert.


Zitat:
Bleibt nur noch eines zu bemerken: Auf Grund der Unterschiede in der Lenkgeometrie beschrieben die Aggregate mit gezogener erster Achse und mit geschobener erster Achse unterschiedliche Kurvenkreise: die Aggregate mit gezogener erster Achse beschrieben einen engeren Kurvenkreis als der Zugpunkt ( Drehkranz oder Sattelkupplung ) und die Aggregate mit geschobener erster Achse beschrieben einen weiteren Kreis. Aus diesem Grunde fuhren sich die Aggregate mit geschobener erster Achse besonders angenehm - weil sie eben der Zugmaschine ziemlich Spurgenau folgten ohne die Kurve zu "schneiden"!

Das ist zu 100% richtig! (Das versuchte ich schon in posting 002 zu beschreiben, aber Du hast es viel schöner formuliert! ) Als kleine Ergänzung auch noch, dass der Bauraum unter dem Trailer, gerade bei Kippern, sehr gerne für die Hydraulikzylinder der Kippmulden genutzt wurde, von daher bot sich die schiebende Achse (mit langem Dreieckslenker zwischen den Achsen) an.

gruss hendrik
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014 — Direktlink
19.10.2016, 23:04 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Hier ein Vertreter eines Spuraggregats aus Polen....ich nehme jedenfalls an, dass es sich um ein Spuraggregat handelt. Es weisst ein paar typische Merkmale auf, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Die Polen hatten sowieso kuriose Achsaufhängungskonstruktionen an ihren Trailern im Programm.

Leider habe ich nur dieses eine Bild gemacht, sozusagen im Vorbeifahren. Ich weiss nicht mal, um welchen Trailer es sich handelt, daher mal nur die Vermutung ZREMB. Vielleicht weiss irgendjemand mehr...

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015 — Direktlink
27.10.2016, 22:32 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Auch die Bergischen Patentachsen habe im Jahr 1961 eine Erfindung eines Spuraggregats eingereicht, welches ich aber nie gesehen habe. Mich würde sehr interessieren, ob das je gebaut wurde.

Die Tragfedern schwenken in diesem Fall nicht, sondern sind fest mit dem Rahmen verbunden. Allerdings verschwenken die Achsen bei Kurvenfahrt innerhalb der Tragfedern, und zwar in einem ganz bestimmten Verhältnis, welches festgelegt wird durch einen asymmetrisch gelagerten Umlenkhebel, an dem die zwei Achsdreiecke der jeweiligen Achsen angreifen. In der Patentschrift wird vorgeschlagen, den Umlenkhebel in einem Längenverhältnis von beispielsweise 2/5 zu 3/5 zu lagern. Dadurch wird die hintere Achse stets weiter verschwenkt als die vordere, und das Spuraggregat wird immer automatisch versuchen, den Trailer wieder auf Geradeausfahrt zu bringen.

https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?window=1&space=menu&content=treffer&action=pdf&docid=DE000001171758A&Cl=2&Bi=1&Ab=&De=1&Dr=3&Pts=&Pa=&We=&Sr=&Eam=&Cor=&Aa=&so=desc&sf=vn&firstdoc=1&NrFaxPages=3&pdfpage=1&xxxfull=1

Wie gesagt, leider nie in Natura gesehen.

gruss hendrik
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016 — Direktlink
29.10.2016, 09:29 Uhr
baroni

Avatar von baroni

Hoch interessantes Thema, muß ich schon sagen!
Auch wenn ich jetzt beim schnellen 'drüber weg sehen' noch nicht so ganz begriffen habe, wie genau die Mechanik funktioniert. Besonders die mit den beiden Dreiecken muß ich mir statt vor dem inneren Auge doch mal händisch auf ein Stück Papier skizzieren, um es vollumfänglich begreifen zu können.

Auf der Suche nach Antworten bin ich über diese amerikanischen Patentschrift von 1977 gestoßen.

https://www.google.com/patents/US4120509

Da sind richtig schöne hochauflösende Bilder/Skizzen von solch einen Spuraggregat mit den zwei Dreiecken dabei.

Wenn das scheinbar eine so tolle Fahrhilfe ist, da fragt man sich, warum man dieses nicht mehr bei aktuellen Fahrzeugen antrifft.
Kann es sein, daß es mit der heute sehr oft anzutreffenden Luftfederung nicht harmoniert?
Oder sind die eher 3achsig ausgelegten Sattelanhänger der Untergang der Technik gewesen?
Vielleicht liegt es auch daran, das man bei den Hängern eher alles daran legt, möglichst Leichtfüßig daher zu rollen?

Gruß,
Thorsten
(baroni)
--
Wer in der Demokratie schläft wird in der Diktatur erwachen!
... aber wenigstens keine Augenringe haben.
©@Christine Prayon
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017 — Direktlink
29.10.2016, 16:32 Uhr
Victor

Avatar von Victor

Vielen Dank für diesen Link, hat nicht nur dich mehr Klarheit gebracht
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018 — Direktlink
29.10.2016, 19:46 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik


Zitat:
baroni postete Hoch interessantes Thema, muß ich schon sagen!

Es wird noch interessanter werden, garantiert!


Zitat:
Auch wenn ich jetzt beim schnellen 'drüber weg sehen' noch nicht so ganz begriffen habe, wie genau die Mechanik funktioniert. Besonders die mit den beiden Dreiecken muß ich mir statt vor dem inneren Auge doch mal händisch auf ein Stück Papier skizzieren, um es vollumfänglich begreifen zu können.

Da gibt's nur eins: Nachbauen! Genauso habe ich das gemacht, und zwar 1983 mit Lego-Technik. Ein schöner Trailer mit "widespread-Spuraggregat". Nach anfänglichen Konstruktionsfehlern hatte ich das Ding irgendwann am laufen, und wie wunderbar folgte er der (natürlich ebenfalls) Lego-Zugmaschine! Durchs ganze Wohnzimmer, Flur, eigentlich alle Zimmer und dann nach draussen! Dann habe ich noch eine Rückfahrsperre per Seilzug eingebaut, und das Ding war perfekt! Dieser Trailer lebte bei mir glaube ich mindestens ein Jahr. Andere Jungs fingen da an, Mädchen hinterherzusteigen. Ich baute Spuraggregate


Zitat:
Auf der Suche nach Antworten bin ich über diese amerikanischen Patentschrift von 1977 gestoßen. https://www.google.com/patents/US4120509 Da sind richtig schöne hochauflösende Bilder/Skizzen von solch einen Spuraggregat mit den zwei Dreiecken dabei.

Obacht! Das Ding ist leicht anders, und ausserdem ist der englische Text total falsch. Schlecht beschrieben, aber vielleicht führt das hier zu weit, aber versuchen wir's trotzdem: 1.) ist das erste Achsdreieck "schwimmend" im Achskörper gelagert (wenn man Fig. 7a mit Fig. 7b vergleicht, sieht man, wie sich ein Zapfen in einer Nut/Längsloch im Achskörper verschiebt. Dieses Achsdreieck hat lediglich achsführende Funktion, aber das Lenken übernehmen ausschliesslich die Längslenker, das sind die Bauteile, die mit "7" bezeichnet sind. 2.) gibt es gar keine "steering unit" (bei Kurvenfahrt schwenken die Achsen automatisch weg durch die Adhäsionskraft zwischen Reifen-Strasse, und 3.) sind die "Walking Beems (die Achsausgleichsschwingen) nicht "extending", sondern "extended", also sie sie haben eine feste konstante Länge.

Dieses Patent gleicht im Funktionsprinzip dem von Schmitz aus dem Jahr 1961, siehe posting 006. Ob dieses je gebaut wurde, sowohl in Amerika, als auch in Deutschland, weiss ich nicht. Ich kenne einige amerikanische Trailer, aber sowas habe ich dort noch nie gesehen. Es ist fast wert, dieses US-Patent mal in Facebook einzustellen in den einschlägigen US-Truck-Gruppen. Mal sehen, ob sich jemand dort meldet.


Zitat:
Wenn das scheinbar eine so tolle Fahrhilfe ist, da fragt man sich, warum man dieses nicht mehr bei aktuellen Fahrzeugen antrifft.
Kann es sein, daß es mit der heute sehr oft anzutreffenden Luftfederung nicht harmoniert? Oder sind die eher 3achsig ausgelegten Sattelanhänger der Untergang der Technik gewesen? Vielleicht liegt es auch daran, das man bei den Hängern eher alles daran legt, möglichst Leichtfüßig daher zu rollen?

Ja, sowas sollten wir definitiv erörtern, darauf freue ich mich schon. Aber erst tragen wir hier im Laufe der Zeit die verschiedenen Bauformen zusammen. Sag ich jetzt mal so

gruss hendrik
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019 — Direktlink
29.10.2016, 21:14 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Wo wir gerade bei USA sind, der Truckhersteller MACK hat mindestens zwei Jahrzehnte lang sein Hinterachsbogie bei seinen Trucks als "self steering" bogie beworben; siehe Seite 5 hier:

http://www.tyldenheritage.com.au/uploads/9/3/0/6/9306704/balancedbogies.pdf

Fast alle Mack Trucks waren in den 70-ern, 80-ern und sicher auch noch in den 90-ern damit ausgerüstet. Sattelschlepper, Betonmischer, Dumper. Dieses ist allerdings eine sehr, sehr primitive Art des Spuraggregats, und das Einlenken der Achsen erfolgt nicht durch die Adhäsionskraft der Reifen auf der Strasse, sondern einfach durch die Fliehkraft des Aufbaus. Bei Kurvenfahrt neigt sich der Truck nach aussen, dadurch wird die Blattfeder auf der Kurvenaussenseite gestreckt, und auf der Kurveninnenseite gestaucht. Dieses lässt die Achsen entsprechend einlenken.

Europäische Trucks hatten sowas nicht; die Doppelachsen an Kippern, Betonmischern etc. waren nie an den Blattfederenden direkt befestigt, sondern stets and Parallelogrammlenkern, die die Achsen bei Kurvenfahrt (auch bei Neigung des Aufbaus) immer parallel hielten. Die Blattfederenden lagern nur "schwimmend" auf den Achskörpern auf.

Kleiner Exkurs nur; das MACK Achsaggregat war kein richtiges Spuraggregat.

gruss hendrik
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020 — Direktlink
30.10.2016, 09:06 Uhr
BUZ



wir hatten bei der Spedition Stiehl & Co. in WI-Schierstein Mitte der 80er auch jedemenge Spuraggregate an den Aufliegern... die waren meist noch von Staufen Fahrzeugbau, und ein Eylert

Vor dem Rückwärtsfahren immer erst die Sperre reinfallen lassen: etwas vorziehen bis es hinten klack macht, dann waren die Achsen gesperrt und man konnte rückwärts schieben

Gruß
BUZ
--
das beste was ein Mensch werden kann, ist HESSE!
---------------
www.schwerlast-rhein-main.de

Dieser Post wurde am 30.10.2016 um 09:17 Uhr von BUZ editiert.
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021 — Direktlink
30.10.2016, 21:58 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik

Und hier noch der letzte Exkurs nach USA. Dieses scheint überhaupt das früheste Patent eines Spuraggregats zu sein (eingereicht 1930), allerdings ist dieses hier extrem aufwändig, wenn ich mir auf die Schnelle Bilder 5 und 6 angucke:

https://www.google.com/patents/US1940798

Es scheint, dass sowohl die Ausgleichsschwingen schwenken, als auch die einzelnen Achsschenkel selbst. Zusätzlich scheint alles noch mit einem Gestänge mit der Vorderachse verbunden zu sein. Extrem aufwändig!

gruss hendrik
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022 — Direktlink
30.10.2016, 22:35 Uhr
Markus K

Avatar von Markus K

Hi Hendrik
Das erinnert mich irgendwie an den Flettner Grossraum-Wagen von Krupp:
http://www.omnibusarchiv.de/include.php?path=content&mode=print&contentid=38

Und dann irgendwie auch wieder an die Vetter Gelenkbusse.....

Schönes Thema hier

Mfg Markus K
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023 — Direktlink
31.10.2016, 07:45 Uhr
rollkopf

Avatar von rollkopf


Zitat:
BUZ postete
wir hatten bei der Spedition Stiehl & Co. in WI-Schierstein Mitte der 80er auch jedemenge Spuraggregate an den Aufliegern... die waren meist noch von Staufen Fahrzeugbau, und ein Eylert

Vor dem Rückwärtsfahren immer erst die Sperre reinfallen lassen: etwas vorziehen bis es hinten klack macht, dann waren die Achsen gesperrt und man konnte rückwärts schieben

Gruß
BUZ

Die Bilder dazu:

Stauffen Auflieger mit Spuraggregat

ZGM: NG73 2032 S 6x2/4







Bildquelle:BUZ
--
gruss Andreas aka rollkopf

Wissen ist Macht, nichts wissen macht Freizeit
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024 — Direktlink
31.10.2016, 09:45 Uhr
Hendrik
Moderator
Avatar von Hendrik


Zitat:
rollkopf postete

Schade, dass man den hier nicht im gelenkten Zustand sieht....die Bilder von eingeschlagenen Spuraggregaten sind leider sooo selten

gruss hendrik
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